Jura Ratgeber



Anwaltskunst. Faustregeln, Lösungsalternativen, Kontraste


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Verquast

Dieses Buch wurden in der gesamten Fachpresse, die ich gelesen habe, über den grünen Klee gelobt. Ferner ist es bereits in der dritten Auflage erschienen und als Jurastudent dachte ich mir, daß es eine gute Idee wäre, etwas mehr über den Anwaltsberuf zu erfahren. Ich hätte nicht falscher liegen können.

Zunächst aber zum Inhalt. Der Autor beschreibt in dem Buch nach eigenen Angaben "Faustregeln - Lösungsalternativen - Kontraste". Tatsächlich wird über die verschiedenen Aspekte der täglichen Berufspraxis gesprochen. Es finden sich hier keine juristischen Kniffe oder besonders gute Gestaltungen. Dafür wird um so öfter das Loblied auf den Einzeladvokaten gesprochen, der vertrauensvoll mit seinen Mandanten zusammensitzt und sie lebenslang betreut. So etwas mag es geben, doch wird für die meisten Anwälte der Beruf anders aussehen. Im wesentlichen deckt das Buch nicht mehr ab, als die meisten Artikel zu dem Thema. Von der außergerichtlichen Streitbeilegung, bis zum Kostenrecht.

Nun mag es einen Markt für solche Bücher geben und ich hätte mich nur milde darüber geärgert. Was mich aber so verärgert hat, daß ich vor Zorn nicht einschlafen konnte, waren die Platitüden des Buches. Es erschöpft sich in Selbstverständlichkeiten und Nichtigkeiten. Sicherlich 95% des Buches sind derart hanebüchen, daß man kein Anwalt zu sein braucht um sie zu erkennen. Verstärkt wird dieser Eindruck noch dadurch, daß der Autor vollkommen unnötig Fremdwörter einstreut. Diese haben ohne Frage ihren Platz, sie sind aber kein Selbstzweck und schon gar nicht sollte man ein Buch schreiben nur um aller Welt zu zeigen was für tolle Fremdwörter man kennt. Oft hatte ich den Eindruck, daß der Autor sich der Schwächen seines Buches bewußt war und dies versuchte durch eine möglichst verklausulierte Sprache vergessen zu machen. Fast noch ärgerlicher ist, daß von fast allen Rezensenten die sprachliche Meisterschaft des Autors gelobt wurde. In meinen Augen ist es ein Wust von Phrasen, die gedroschen werden, vielleicht in der Hoffnung, daß manche es für Literatur halten.

Bücher sind integraler Bestandteil meines Lebens und ich freue mich über jedes Buch und würde einem Buch niemals ein Leid antun. Franzen hat es geschafft, daß ich ernsthaft darüber nachdachte ein Buch in den Abfall zu werfen. Schade, daß der Verlag (C.H.Beck) in seinem ansonsten guten Verlagsprogramm Platz für dieses Buch gefunden hat.

Aus dem Nähkästchen geplaudert
Dieses Buch bietet eine Fülle von Anekdoten und Denkanstössen. Als Junganwältin oder -anwalt kann man sich in diesem Buch von einer erfahrenen Anwaltspersönlichkeit den ein oder anderen Aspekt anwaltlicher Tätigkeit vor Augen führen lassen. Vor allem die Unterteilung des anwaltlichen Tätigwerdens in forensische und nicht-forensische Tätigkeit und die damit verbundenen Hinweise und Tipps finde ich gelungen und praxisnah. Das Buch beschäftigt sich hauptsächlich mit der Arbeitsweise des Zivilrechtsanwalts, und singt dort sogar ein "Loblied des Wirtschaftsanwalts". Man darf allerdings kein kleines "Anwaltshandbuch" mit einer Checkliste zur Lösung aller Probleme, die sich einem als (Wirtschafts-)Anwalt stellen können, erwarten. Der Autor zeigt vielmehr - aus seiner Erfahrung gewonnene - typische Interessenkollisions- und Problemlagen in der Beratungs- und Prozesspraxis auf. Ein ganzes Kapitel ist dem Thema "Selbstkosten eines Prozesses", in dem die Aufwands-/Ertragsrelation eines Zivilprozesses für den Rechtsanwalt analysiert wird, gewidmet. Vor dem Hintergrund, dass die Anwaltschaft eine Erhöhung der gesetzlichen Gebühren fordert, ein aktueller Beitrag. Freilich hilft dem jungen Einzelanwalt die Aufforderung, sich Mandante mit Streitwerten über mehrere hunderttausend DM zu suchen, um die geringeren Alltagsprozesse quer zu finanzieren, wenig.

Der Stil des Autors ist - vor allem für die als Zielpublikum ins Auge gefassten jüngeren Juristen - etwas gewöhnungsbedürftig und oberlehrerhaft. Auch das fiktive (?) Streitgespräch mit der jungen Kollegin anstelle eines Vorworts wirkt etwas befremdlich. Angesichts des relativ günstigen Preises aber gerade für jüngere Anwälte ein anschaffungswürdiges Buch.

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